ALTENBURGER GESCHICHTSVEREIN e.V. (AGV)
& Brigitte und Wolfgang Böhm

Konzept für eine  

„Dokumentations- und Gedenkstätte Altenburg“

(Entwurf) 

 

Konzept für eine „Dokumentations- und Gedenkstätte Altenburg“

(Entwurf) 

Gedanken im Voraus

Dieser Konzeptvorschlag des Altenburger Geschichtsvereine.V. (AGV) soll Teil eines Konzeptes für ein Forum der Geschichte des Altenburger Landes und im Speziellen ein Forum der Geschichte der Stadt Altenburg sein.

Das Forum könnte ein mehrere Räume (Innenräume, Wände, Fensterläden, Gebäude und Ensembles, Plätze, Denkmale) umfassendes,unbegrenztes Arial, nicht nur auf dem Gebiet der Stadt Altenburg, werden. Für die Altenburger und auch für ihre Gäste wird die Geschichte einer Region als offenes, lebendiges Geschichtsbuch, als Erlebnis präsentiert. Es verbindet schon Geschaffenes mit neu Aufzubauendem. Angestrebt wird eine Dauereinrichtung voller Dynamik und ohne zeitliche Begrenzung. An diesem Forum können nachfolgende Generationen weitere Jahrhunderte der Geschichte, vom Beginn der Besiedlung bis ins 21. Jahrhundert, an- und aufbauen, sodass in Zukunft eine nahtlose Geschichtsschreibung entsteht.

Doch mit der Gestaltung einer Erinnerungskultur müssen wir, unter Einbeziehung vorhandener Räume, Objekte und Dokumentationen, heute und jetzt beginnen.

 

Zur Verwirklichung des anspruchsvollen Konzeptes eines Forums der Geschichte teilen wir die Historie in zeitliche Segmente, immer bezogen auf Altenburg und das Altenburger Land. Beginnen wollen wir zunächst mit dem Segment:

·        Darstellung des 20. / 21. Jahrhunderts

Untersegment

·        Erinnerung an die Jahre von 1933 bis1949

Untersegmente

o  1933 – 1939

o  1939 – 1945

o  1945 – 1949

§ Untersegment

Spurensuche nach Lagern im Altenburger Land

§ Untersegment

Spurensuche nach Lagern in Altenburg

-       Fremdarbeiter

-       Kriegsgefangene

-       Zwangsarbeiter

-       KZ-Häftlinge 

§ Untersegmente

-       Umsiedler, Flüchtlinge und Vertriebene im Altenburger Land

-       Umsiedler, Flüchtlinge und Vertriebene in der Stadt Altenburg

§ Untersegment

-       HASAG

-       STALAG IV E / Kriegsgefangenenlager

-       Lazarett Kauerndorf

-       KZ Außenkommando Ravensbrück / Buchenwald

§ Untersegment

-      Umsiedler, Flüchtlinge und Vertriebene im Lager Winterstraße

TEIL1

Entwurf für eine Konzeption

Die grundlegende Annahme bei der Gedenkstättenkonzeption der - Aktiven „Dokumentations- und Gedenkstätte Altenburg“ Lager und HASAG -  ist, dass es sich bei dem Standort um Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht Stalag IV E und Stalag IV F/Z, inbegriffen ein Lazarett Kauerndorf für Sowjetische Kriegsgefangene, ein Lager für Zwangsarbeiter aus ganz Europa (u.a.auch für Juden und Sinti und Roma), ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald (Frauenlager, später auch Männerlager), bezeichnet als Arbeitskommando Altenburg/Thüringen, und ein diese Arbeitskräfte ausnutzender, für den Krieg produzierender Rüstungskonzern (HASAG) einerseits um den historischen »Ort der Tat« und andererseits durch die umfangreichen Nachnutzungen, Auffang und Durchgangslager für Flüchtlinge, Vertriebene und Umsiedler, um einen mehrschichtigen Erinnerungs- und Gedenkort handelt.

 

Vorrangig bei diesem Gedenkort sind die Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht Stalag IV E und Stalag IV F/Z, einschließlich das Lazarett Kauerndorf, ein Lazarett der Wehrmacht (HEER), in denen unter großem Leid, durch Hunger und Krankheiten, Kriegsgefangene umgekommenen sind und die tausenden Zwangsarbeiter und KZ-Häftlingen, die hier unter unmenschlichen Bedingungen für den Rüstungskonzern HASAG arbeiten mussten, zu würdigen.

Gleichwohl handeltes sich aber auch um einen negativen Erinnerungsort für die angrenzenden Bewohner der Region wie auch um einen Erinnerungsort für die verschiedenen nachfolgenden Nutzungsepochen.

Gerade die verschiedenen Nachkriegsnutzungen und –narrativen¹  haben in der Rezeption und der festen Einprägung ins Gedächtnis den historischen Ort geprägt.

Dieser Ort, als Teil der Geschichte der Region betrachtet, ist unlösbar mit den historischen Ereignissen und dem Handeln der Menschen an anderen Orten der Stadt Altenburg,des Altenburger Landes und auch weit darüber hinaus verbunden.

Dieser Ort spiegelt die gesellschaftlichen Verhältnisse mit ihren Wechselwirkungen im besonderen Maße wider und macht ihn für die historisch-politische Bildung so interessant. Es ist der Komplex aus: ein für die Aufrüstung aus dem Boden gestampfter Betrieb, eine Volksgemeinschaftsinszenierung, ein Kriegsgefangenenlager und ein Zwangsarbeitslager auf engem Raum. Das Nebeneinander von gelebtem Rassismus, Krieg, Rüstungsbetrieb und Lager, ist immerhin- trotz Flächenabriss – noch in Spurengebäuden fassbar. Der Fokus einer solchen Gedenkstätte richtet sich nicht allein auf die noch stehenden Gebäude und Baracken, sondern auf die komplexe Geschichte,die im Areal HASAG-Gelände, Wehrmachtsgelände und der unmittelbare Umgebung mit der Ortschaft Kauerndorf steckt. Darüber hinaus sind die auf dem Städtischen Friedhof in Altenburg liegenden Grabstätten und die errichteten Denkmale ohne den Bezug auf den benannten Komplex im Norden von Altenburg nicht vermittelbar. Auch die Errichtung weiterer Lagerkomplexe sowie das ganze System der Zwangsarbeit in Altenburg und dem Altenburger Land gehören dazu. Letztendlich haben die historischen Ereignisse der Zeit von 1933 bis 1945 und die damals lebenden Menschen diesen Ort von Altenburg im Besonderen geprägt. Die von hieraus gehenden Wirkungen reichen bis in unsere Tage.

Das Bild des mehrschichtigen Erinnerungsortes bezieht sich auf die verschiedenen Narrative und verinnerlichten Bilder, mit denen Besucherinnen und Besucher die Dokumentations- und Gedenkstätte Altenburg besuchen.


¹ Narrativ (lateinisch narrare „erzählen“):bezeichnet einen Bericht geschichtlicher Ereignisse als Teil einer Kultur bzw.als Teil der Geschichtsschreibung

 

Bei den Besuchsgruppen lassen sich folgende Gruppen definieren:

- Überlebende und Angehörige von Verstorbenen (zunehmend auch der dritten Generation) des Kriegsgefangenen- und KZ-Lagers Altenburg

- Ehemalige Insassen des Auffang und Durchgangslager für Flüchtlinge, Vertriebene und Umsiedler. In der Regel kommen diese nur mit einem rudimentären Wissen über die »Vorgeschichte« des Kriegsgefangenen- und KZ-Lagers Altenburg

- Anwohner aus der Region. Diese Besuchsgruppe kommt wiederum ebenfalls mit mehrschichtigen Erinnerungen: mit den Erlebnissen der nach der Befreiung tatsächlich kurzzeitig herum marodierenden Kriegsgefangenen und KZ-Häftlingen, die in einzelnen Fällen auch Lynchjustiz geübt haben; mit dem durchgängig internalisierten Sujet des »eigenen Kriegsgefangenen«, dem es gut ging, der etwas zu essen bekam und »am Tisch sitzen durfte«;

 

Bewusst ausgelassen, da für den Erklärungszusammenhang nicht relevant, sind alle übrigen Besucherinnen und Besucher wie Schulklassen, andere Bildungsgruppen, interessierte Einzelbesucher und Touristen, die durch Zufall auf die Gedenkstätte stoßen. All diese Gruppen kommen ebenfalls mit internalisierten Bildern in die Gedenkstätte, aber selten ist die Gedenkstätte bei diesen zugleich ein Erinnerungsraum an erlebter Geschichte.

 

Die Nutzungen der historischen Orte des NS-Terrors sind seit geraumer Zeit einem Wandel unterworfen. Gerade im Hinblickauf die zunehmende zeitliche Distanz zum historischen Geschehen sind zwei Faktoren zu konstatieren, die die hohe Bedeutung deutlich machen, die den baulichen Überresten des Kriegsgefangenen- und KZ-(Auffang)Lagers zu kommen: mit der fortschreitenden Distanz zum Nationalsozialismus steht die Zeitzeugengeneration, die unmittelbar von dem Geschehenen berichten und ein authentisches Zeugnis des NS-Terrors geben kann, nicht mehr zur Verfügung, und die Jugendlichen, die heute die Gedenkstätte besuchen, haben einerseits durch eine fehlende intergenerationelle Bindung zum Nationalsozialismus und andererseits durch einen zunehmenden Migrationshintergrund kaum noch einen unmittelbaren Zugang zum Nationalsozialismus. Es ist evident, dass durch diese beiden Faktoren den baulichen Überresten als »Denkmälern aus der Zeit« (Johann Gustav Droysen) in Gedenkstätten immer stärker die Funktion des Bezeugens zukommt.9  Damit einher geht eine Transformation der historischen Orte von reinen Gedenkorten / -stätten hin zu »zeithistorische Museen mit besonderen Aufgaben«10.

 

Bei der Gedenkstättenkonzeption für die Dokumentations- und Gedenkstätte Altenburg ist dieses entsprechend zu berücksichtigen. Denn anders als in vielen der Gedenkstätten, die Anfang der 1980er-Jahre entstanden sind ist in Altenburg die Nutzungsphase als Gedenkort am ehemaligen Lagerstandort »übersprungen« worden. Erst seit 2006 ist der Focus auf den historischen Ort, mit der Anbringung einer Gedenktafel am Ehemaligen Direktionsgebäude der HASAG, gerichtet worden. Erst seit dieser Zeit gibt es jährlich Gedenkveranstaltungen am historischen Ort, die durch den Altenburger Geschichtsverein e.V. und den Bürgerverein Altenburg Nord e.V. mit großer Befürwortung und Unterstützung der Stadtverwaltung Altenburg.  D.h. bei einer Gestaltung des Areals rückt nun von vornherein die Funktion des »zeitgeschichtlichen Museums«, also der Dokumentation und Vermittlung des Geschehenen am historischen Ort, neben der Errichtung von Wirtschaftseinrichtungen, in den Vordergrund.

In einer Gedenkstättenkonzeption wird also der ehemalige Lagerstandort überwiegend als der Dokumentationsbereich und zentrale Gedenkbereich (mit einem memorialen Schwerpunkt) in Frage kommen.

 

Zusammengefasst lassen sich für die Dokumentations- und Gedenkstätte Altenburg vier verschiedene Funktionen definieren:

- museale Nutzung (Ausstellungen und Gebäude als Exponate)

-wissenschaftliche Nutzung (Sammlung, Forschung und Dokumentation)

- pädagogisch-didaktische Nutzung (Lernort, Begegnungsstätte)

- memoriale Nutzung (Gedenk- undTrauerort)

Grundsätzlich ist anzumerken, nur ein kleiner Teil des ehemaligen Lagers ist mit dem historischen Gebäudebestand erhaltenen geblieben. Dagegen gibt es noch mehrere ehemalige Wirtschafts- und Verwaltungsgebäude auf dem Gelände der ehemaligen HASAG.  Weite Teile werden privat genutzt und sind oftmals nur mit Erklärungen als lagerzeitliche Substanz auszumachen. Das historische Barackenensemble, weitere lagerzeitlichen Gebäude sowie die Werksgebäude der HASAG, sind teilweise in den letzten Jahren abgerissen, bzw. in ihrem Zustand sehr marode, und in ihrem fast als pittoresk zu bezeichnenden Erscheinungsbild wirken die Gebäude u.a. aufgrund der Patina und des Verfallszustands wie aus der Lagerzeit in die Gegenwart transloziert. Es ist festzustellen, dass diese spezifische Figuration eine große Wirkungsmacht auf Betrachterinnen und Betrachter hat. Jedoch haben sich durch die vielfältigen Nachnutzungen zahlreiche Zeit- und Nutzungsschichten über das ehemaligen Lager und die Produktionsgebäude gelegt. Die Überformungsphasen haben sich in die historische Substanz eingeschrieben, sie quasi durchdrungen. Dieses hat zu einer Amalgamierung der Zeitschichten geführt. Aufgrund des maroden Zustandesder Substanz ist es für Besucherinnen und Besucher ohne ein profundes Fachwissen oftmals kaum möglich, diese vor Ort zu erkennen.

So wird es auch Aufgabe eines zu bildenden Gremiums, unter Einbeziehung des Stadtrates und der Stadtverwaltung der Stadt Altenburg, des Landkreises Altenburger Land, des Altenburger Geschichtsverein e.V. (AGV) und weiterer interessierter Gremien und Bürger, sein, mit einer Bestandsaufnahme zu beginnen und dazu Fachkräfte einzubinden. Parallel sollten wir an einer ständige Fortschreibung der Konzeption arbeiten.

 

TEIL 2

Gestaltungskonzept

Bei der konzipierten Umgestaltung der Gedenkstätte (Bausubstanz und Freiflächen) ist darüber hinaus zu berücksichtigen, dass sich der gegenwärtige eindrückliche und wirkungsmächtige Zustand, der eine ganz eigene, spezifische Aura entfaltet und der für viele Besucher das Gelände originär ausmacht, so nicht erhalten lässt. Das zu gestaltende Gedenkstättengelände wird sich, ob gewollt oder nicht, als »neu« darstellen. Es wird sich die gestaltete Gedenkstättenschicht auf die bisherigen Zeitschichten legen.

Idealtypischerweise (wenngleich nicht realisierbar) wäre eine Konservierung des Ist-Zustandes zu präferieren. Denn gerade in dem sich heute präsentierenden Verfallszustand und der gegenwärtig (un)sichtbaren komplexen Vielschichtigkeit dokumentiert sich der jahrzehntelange nachlässige Umgang mit der Bausubstanz und dem historischen Ort und letztendlich mit der Geschichte des Kriegsgefangenen- und KZ-Außenlagers Altenburg.

Bei der Gestaltung der Gedenkstätte sind einige Grundprämissen und Rahmenbedingungen handlungsleitend:

- Erhalt und Dokumentation der Spuren aller Nutzungsepochen

- Einbettung der Gedenkstätte in das erhaltene Restgelände des

  ehemaligen Lagers

- Erhalt und Präsentation der historischen Lagergebäude oder eines der  

  Gebäude als größte und bedeutendste Exponate der Gedenkstätte

- Kein Rückbau der überformten Gebäude in den historischen Zustand,

- keine Rekonstruktion nicht mehr vorhandener Gebäude

- Kein aktiver Abriss von Gebäuden, ggf.werden nicht mehr zu sanierende

  Gebäude oder Gebäudeteile einem sukzessiven Verfall anheim gegeben.

- Sensible Einbettung der Gedenkstätte in ein notwendiger Weise

  entstehendes Wirtschaftsgebiet

- Veränderungen innerhalb des historischen Areals als Fortschreibung der

  Geschichte sichtbar machen

 

Nutzungskonzeption

Grundlegend für die Konzeption der Gedenkstätte ist eine adäquate Nutzung der Gebäude oder eines Gebäudes und eines Teils des Geländes, die ebenso dem dauerhaften Erhalt der Gebäude zuträglich ist.

Aufgrund des bisherigen Besuchsverhaltens, der memorialen Akte des Gedenkens, der Erfahrungen in der pädagogischen Arbeit und der spezifischen historischen Gegebenheiten können auf dem Gelände der ehemaligen HASAG bereits heute Nutzungsschwerpunkte definiert werden:

- Kleine Ausstellung einer Dokumentation von Dr. Hauthal

- Gedenktafel 2006 durch die Stadt Altenburg eingeweiht

  Bis dato wird hierfür noch ein Treppenhaus und der Eingangsbereich des

  ehemaligen Direktionsgebäudes genutzt.

  Bei einer Veräußerung des Gebäudes sollten diese Beachtung finden

  Ein Dokumentationsraum fehlt.

- Nutzungsschwerpunkt:  

  Ehemalige Unterkunftsbaracken und –gebäude

  Die ehemaligen Unterkunftsbaracken (Kriegsgefangenenlager

  STALAG IV E, KZ- Baracken, Lazarett u.a.) lassen sich aufgrund des

  Zustandes der Baracken im Augenblick nicht unter eine Nutzung  

  eingliedern. (Privatgelände - Gespräche mit dem Eigentümer vorgesehen)

  Diese Gebäude (oder dieses Gebäude soll) sollen den

  Dokumentationsbereich bilden und den Besucherinnen und Besuchern

  der Gedenkstätte nach den notwendigen Sicherungs- und

  Sanierungsmaßnahmen dauerhaft zugänglich sein.  

- Durch Informationstafeln im Inneren können spezifische Aspekte der

  Bau- und Nutzungsgeschichte der Baracken vermittelt werden.

- Könnte Gedenkraum  beinhalten.

- Könnte Veranstaltungsraum beinhalten

- Könnte auch als Lagerraum für die Gedenkstätte Verwendung finden,  

  z. B. für verschiedene Großexponate, Ausstellungselemente

Mehrere Unterkunftsbaracken wurden bereits in den letzten  Jahrzehnten abgerissen.

- Gebäude der Bewachung

- Ein Wachgebäude noch vorhanden (heute Wohngebäude)

- Wohnunterkunft des Wachpersonals vorhanden (heute Wohngebäude)

  Ein Gebäude (sogenannte SS-Baracke) 2012 abgerissen (Teile der

  Baracke, z.B. erhaltenswerter Giebel, und Inschriften nichtgesichert)

- Direktions- und Ingenieursgebäude

   In gutem Zustand (heute Bürogebäude)

- Produktionsgebäude

   Größtenteils abgerissen oder stark überformt (Privat)

- Baracken des Lazaretts

   Auch als Unterkunftsbaracken definiert

   Eine Sanitätsbaracke 2012 abgerissen

- Lagergelände

   Ehemaliges Lagergelände zu einem Gedenkort entwickeln und in

   gewissem Rahmen auch als solchen begehbar und erlebbar nutzen

- Aufstellung weiterer Denkmale

   Sollte in diesem Bereich sorgsam abgewogen werden und sowohl die

   Auswahl möglicher Skulpturen als auch möglicher Standorte von einem

   Fachgremium beraten werden.

   Angebote von Künstlern beachten 

Zustand der Bausubstanz

Die baulichen Überreste des ehemaligen STALAG IV B und des KZ Außenlagers könnte das größte und das wichtigste Exponat der Gedenkstätte Altenburg werden.

Die Gebäude sind im Laufe der Nachnutzung umfangreich überformt worden.

Durch eine umfangreiche baugeschichtliche Untersuchung muss nachgewiesen werden, dass weite Teile der Außenhaut in die Aufbauphase vor 1941/42 zu datieren sind.

Obwohl die Gebäude bis heute nicht unter Denkmalschutz stehen, wird dies angestrebt. Da jedoch die Substanz der Holz- und Massivgebäude aufgrund einer jahrzehntelangen Vernachlässigung teils sehr marode oder gar vom fortschreitenden Verfall bedroht ist, wäre eine minimale Variante anzudenken.

Die Sicherung und der Erhalt dieser vom Verfall bedrohten einmaligen Überreste als bauliche Zeugnisse des historischen Ortes ist somit eine der Kernpunkte der zu erstellenden Konzeption dieser Gedenkstätte

Diese impliziert aber auch, dass die Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen der historischen Gebäude die kostenintensivsten Maßnahmen in der zukünftigen Gedenkstätte sind. 

Sanierungskonzeption

Die leitende Prämisse bei den Sicherungs- und Sanierungsmaßnahmen wäre, dass mit der historischen Bausubstanz als unmittelbaren Zeugnissen so behutsam wie möglich umgegangen werden soll. Möglichst sollen instabile Bauteile durch Aufdoppelungen, Verstärkungen o. ä. lediglich in ihrer Position stabilisiert werden. Nur Bauteile, die wirklich abgängig sind, sollen durch baugleiche Elemente ersetzt werden. Die Nachkriegsüberformungen, wie beispielsweise Schriftzüge, Wandbilder, Deckenverkleidungen etc., sollen als Spuren der entsprechenden Nutzungsschicht weitgehend erhalten bleiben und zukünftig kommentiert werden. Dabei ist eine weitere Prämisse, dass der ursprüngliche, historische Zustand nicht rekonstruiert werden soll. Zudem soll möglichst eine Artifizierung der Gebäude durch die Sanierung vermieden werden. Dokumentiert und gesichert werden soll weitestgehend der Überlieferungszustand, der sich mit dem Erwerb der Gebäude  darstellt. Jedoch ist anzumerken, dass durch eine Sanierung der historischen Lagergebäude und die Ergänzung fehlender Bauteile (Fenster, Türen etc.) bei gleichzeitigem Verzicht auf den Rückbau nach lagerzeitlicher Veränderungen (Vorbauten etc.) punktuell ahistorische Situationen entstehen können. Diese unvermeidlichen Eingriffe sollen durch Informationstafeln vermittelt werden.

Paradoxerweise ist der heutige Zustand der Gebäude ursächlich dafür, dass die Gebäude überhaupt noch stehen. Es ist zu konstatieren, dass die maroden Gebäude nur durch die Vernachlässigung erhalten wurden und bei einer intensiven wirtschaftlichen Nutzung vermutlich schon vor Jahren durch moderne Lagerhallen ersetzt worden wären.

Freiräumliche Gestaltung

Wieschon bei der Bausubstanz beschrieben, stellt sich auch das Freigelände der Gedenkstätte sehr komplex dar. Auch hier haben sich die Zeitschichten überlagert und durchdrungen. In der Freiflächenkonzeption ist leitend, dass es nicht darum geht die lagerzeitliche Nutzungsschicht isoliert freizulegen ,sondern die Überlagerungen durch die Nachnutzungen kommentiert mit einzubinden.

Mehrere Gebäude, die lagerzeitlich auf dem Gelände standen, sind im Laufe der Nachnutzung abgetragen worden. Teilweise sind im Boden die Fundamente nocherhalten. Durch diese fehlenden Gebäude in der Lagertopografie entwickeln sich in einigen Bereichen verfälschende Raumeindrücke, die bei der Freiflächengestaltung zu berücksichtigen bzw. zu kommentieren sind.

 

Zum Schluss

All diese konzeptionellen Gedanken bedürfen einer gründlichen Diskussion über die Zielvorstellungen und die Machbarkeit. Mit dem Beginn der Wahrnehmung einer historischen Zeit und seiner Historischen Räume und dem Willen, diese erlebbar zu machen, sind wir auf dem Weg in die Zukunft. Es wird ein langwieriger Prozess, an dem alle Kreise der Bevölkerung von Altenburg und des Altenburger Landes mitgestalten können.

Wir, vom Altenburger Geschichtsverein e.V. (AGV), möchten mit diesem Beitrag von inhaltlichen Gedanken, bei der Realisierung eines Beschluss des Stadtrates unterstützend wirken, um ein Konzept zu erstellen, wie das Areal Kriegsgefangenenlager der Wehrmacht Stalag IV E und  

Stalag IV F/Z, inbegriffen ein Lazarett Kauerndorf für Sowjetische Kriegsgefangene, ein Lager für Zwangsarbeiter aus ganz Europa (u.a. auch für Juden und Sinti und Roma), ein Außenlager des Konzentrationslagers Buchenwald (Frauenlager, später auch Männerlager),bezeichnet als Arbeitskommando Altenburg/Thüringen, und ein diese Arbeitskräfte ausnutzender, für den Krieg produzierender Rüstungskonzern (HASAG, zueinem Ort der Besinnung und des Gedenkens umgestaltet werden kann.".
Diese Grundsätze verstehen wir als ein Angebot zur Diskussion in einer zur Erarbeitung dieses Konzeptes zu bildenden Arbeitsgruppe, in der mitzuarbeiten wir bereit sind.

 

Altenburg, 12.06.2013

 

Gerda Berthold (Vorstandsmitglied (AGV))  

und Wolfgang Böhm (Vorsitzender AGV)

 

 

Zitate und Anmerkungen 9),10) beim Autor erhältlich

Unter Verwendung von:

Andreas Ehresmann
Dokumentations- und Gedenkstätte Lager Sandbostel
Gedenkstättenkonzeption
Stiftung Lager Sandbostel
Greftstraße 5
27446 Sandbostel
Sandbostel 27.10.2008  

 

Konzept Doku- und Gedenkstätte
Entwurf eines Konzeptes